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„Dabei geht es um mehr als Mülltrennung und Sparbirnen“
Pastor Norbert Scheckel spricht über den Wert der Papst-Enzyklika für die Gläubigen in Geseke

Geseke, 20. Juni 2015. Es war ein Warnruf für die Schöpfung. Die Veröffentlichung der Papst-Enzyklika „Laudato Si“ hat am Donnerstag ein riesiges Medienecho ausgelöst. In seinem Öko-Manifest prangert Papst Franziskus Umweltzerstörung und globale Gleichgültigkeit an. Die Erde sieht er auf dem Weg in zahlreiche Katastrophen. Wie das neue Lehrschreiben des Heiligen Vaters in den Geseker Kirchengemeinden aufgenommen wurde, wollten wir im Interview von Pastor Norbert Scheckel wissen.

Pastor Scheckel, haben Sie eigentlich Angst um die Zukunft unseres Planeten?

Scheckel: Um die Zukunft des Planeten habe ich keine Angst, der hat in den vergangenen Milliarden Jahren schon andere Katastrophen ausgehalten - eher um die nahe Zukunft der Menschheit, vor allem in den Armutsgebieten dieser Erde.

Papst Franziskus fordert in seinem Schreiben neue Demut im Umgang mit der Schöpfung und das Ende unserer Wegwerf-Mentalität. Sind das Themen, die sich am Wochenende auch in den Gottesdiensten im Pastoralverbund wiederfinden werden?

Scheckel: So wie ich den Papst verstanden habe, möchte er vor allem ein neues Verständnis unseres Menschseins vermitteln, nicht als Herr, sondern als Hüter der Schöpfung. Dabei geht es um mehr als Mülltrennung und Sparbirnen, nämlich um die Frage, ob wir nur dann glücklich sind, wenn wir immer mehr haben und können. Insofern ist ein Gottesdienst am Sonntag laut Papst Franziskus an sich schon „ökologisch“, weil er Ruhe in unser Leben bringt. Einen Satz fand ich hier besonders schön: „Über das kultische Geschehen sind wir eingeladen, die Welt auf einer anderen Ebene zu umarmen.“

Werden Sie die Thesen des Heiligen Vaters auch persönlich in Ihren Predigten aufgreifen?

Scheckel: Das kann ich jetzt ehrlicherweise noch gar nicht sagen. Es kommt darauf an, wie sehr mich selber das Thema in diesen zwei Tagen beschäftigen wird und wie ein Zusammenhang mit den Texten des Sonntags bestehen kann.

Hatten Sie eigentlich schon Gelegenheit, mit Gläubigen in der Stadt über die neue Enzyklika zu diskutieren? Wenn ja, wie war das Echo?

Scheckel: In der Kürze der Zeit wäre das vielleicht etwas viel verlangt. Aber ein kurzes Gespräch gab es schon. Da das Thema viele bewegt, wird der Text hoffentlich in den nächsten Wochen eine breite Aufmerksamkeit finden. Einem anderen konnte ich aber in diesem Zusammenhang zumindest erklären, was eine Enzyklika ist.

Müsste die Kirche vor Ort dann nicht eigentlich viel mehr Werbung für das Lehrschreiben machen? Man könnte die Enzyklika doch zum Beispiel nach den Heiligen Messe verteilen.

Scheckel: Ich glaube, dass es mit seinen 222 Seiten dafür einfach zu umfangreich ist. Jeder, der es lesen möchte, hat auch so Zugriff - etwa über das Internet oder über eine direkte Bestellung bei der Deutschen Bischofskonferenz. Ich denke aber, dass ich am Wochenende in den Messen auch mal einen kleinen Werbeblock einlegen werde.

Zurück zu den Inhalten: Der Warnruf des Papstes wird von Experten nicht nur als Frontalangriff an die Mächtigen gesehen, sondern auch als Appell an jeden einzelnen, seinen kleinen Teil zur Bewahrung der Schöpfung beizutragen. Wie kann das vor Ort, etwa in den Geseker Kirchengemeinde, geschehen?

Scheckel: Das, was jeder Haushalt bedenken muss, von Müll bis Energie, sollte uns auch als Kirchengemeinden beschäftigen. Das Pfarrheim St. Marien produziert beispielsweise Solarenergie. Grundsätzlich geht es dem Papst aber um einen Mentalitätswandel. Dazu gehört es, die Natur als Gottes geliebte Schöpfung anzuerkennen, dazu gehört aber auch weltweite Solidarität statt eines Lebens auf Kosten anderer. Es geht Franziskus darum, „die Klage der Armen ebenso zu hören wie die Klage der Erde“. Von den Flüchtlingen vor Ort bis zu den Straßenkindern in Lateinamerika müssen wir dabei alle im Blick haben.

Zum Abschluss: Es ist seit Donnerstag allenthalben vom „grünen Papst“ die Rede. Würden Sie sich mit Blick auf Ihren Lebenswandel in irgendeiner Form auch als „grünen Pastor“ bezeichnen?

Scheckel: Nicht grüner als andere auch, leider. Es bleibt viel zu tun, sonst hätte der Papst die Enzyklika nicht schreiben müssen. - df

Quelle: Geseker Zeitung

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