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Verzicht üben im Überfluss
Besinnung statt Kalorien zählen: Auch wenn die Fastenzeit längst nicht mehr so streng reglementiert ist, geht es um die radikale Frage nach dem Wesentlichen

Geseke, 30. März 2011. Am Anfang der Fastenzeit steht das Aschenkreuz, das am Aschermittwoch mit den Worten „Bedenke, Mensch, dass du Staub bist, und wieder zum Staub zurückkehren wirst“ ausgeteilt wird. „Damit verbunden ist die grundsätzliche radikale Fragestellung: Was ist wesentlich? Was brauche ich wirklich?“, erklärt Pfarrer Gerald Haringhaus. Nachdem die 40-tägige Fastenzeit in diesem Jahr bereits zur Hälfte verstrichen ist, erklärt der Geseker Pfarrer, warum Fasten auch und vor allem heute noch von Bedeutung ist.

„In einer Überfluss- und Konsumgesellschaft ist es umso notwendiger, sich zurückzubesinnen auf den Glauben, auf Gott und den Nächsten“, betont Haringhaus. Aber wer fastet heute eigentlich noch in diesem Sinne? „Es gibt schon eine ganze Reihe Menschen, die fasten“, sagt der Pfarrer. Allerdings, so muss auch er einräumen, wisse man nicht immer, ob die Motivation tatsächlich religiös sei oder ob sich manche mit dem Verzicht vielleicht selbst etwas beweisen wollten. Gerade im beginnenden Frühling definiert sicher auch der eine oder andere die Fastenzeit eher als Diät, um den Winterspeck loszuwerden.

Dabei sei das Fasten nur ein Drittel der österlichen Bußzeit. „Dazu gehören auch das Gebet und Werke der Nächstenliebe“, erklärt Haringhaus. „Es geht auch darum, sich vom Lebensstil Christi inspirieren zu lassen“, sagt er. Deshalb sei nicht nur der Verzicht auf etwas von Bedeutung, sondern das Opfer für etwas. In Form einer großzügigen Spende an Misereor vor Ostern werde dieser Zusammenhang deutlich.

„Bevor man über die Fastenzeit redet, muss man eigentlich über das Kirchenjahr generell sprechen“, sagt Gerald Haringhaus. Denn das Kirchenjahr biete die ganze Bandbreite des Lebens. Die unterschiedlichen Zeiten des Kirchenjahres böten gleichzeitig Gelegenheit zur „Einübung für den Ernstfall“. „Im Advent zum Beispiel geht es darum, die Spannung des ‘noch nicht’ auszuhalten“, erklärt Haringhaus. Lernen fürs Leben könnte man mit anderen Worten sagen.

Süßigkeiten, Alkohol, Computerspiele - Möglichkeiten, während der Fastenzeit Verzicht zu üben, gibt es heute sicher genug. Bei Diäten werde das Fasten derweil aufs Kalorienzählen verkürzt. Im religiösen Sinne gehe es aber ums Besinnen, Bereuen, Bekennen, Büßen und Bessern. „Deshalb steht am Ende der Fastenzeit die Beichte“, so Haringhaus. Manchmal fragen die Kommunionkinder ihren Pastor, ob sie nicht auch Hausaufgaben fasten könnten. „Es geht aber darum, schlechte Gewohnheiten zu ändern, dazu gehören die Hausaufgaben ja nicht unbedingt“, erklärt Haringhaus mit einem Schmunzeln.

Freilich sei das Fasten nicht mehr so reglementiert wie früher. Eine Mahlzeit am Tag und kleine Stärkungen zu den anderen Zeiten werden eigentlich empfohlen. Im Kirchenrecht von 1917 ist genau aufgeführt, wie viel und was gegessen werden darf. „Das Fasten soll aber nicht von anderen Verpflichtungen abhalten“, betont Haringhaus. So gab es immer schon explizite Ausnahmen. Nach wie vor sei die Fastenzeit im Bewusstsein der Menschen. „Sie steht im Kalender und ist damit auch ein Anlass“, sagt der Pastor. Was jeder daraus mache, sei eine andere Frage. „Aber Paulus sagt: Nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand“, betont Haringhaus. - jul

Quelle: Geseker Zeitung / Gausmann

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