Geseke,
03. Januar 2009.
Warum wird ein Mensch Ehrenbürger einer Stadt? - Im Falle von Reinhard
Marx liegt die Antwort auf der Hand: Prof. Dr. Reinhard Marx ist als
Erzbischof von München und Freising der derzeit wohl prominenteste
Geseker. Wo er auch hinkommt, spricht er mit Stolz und Liebe über seine
Heimatstadt, die Sitten und Gebräuche, die Landschaft und die Kirchen, die
Eigenarten und den Humor der Geseker. Er trägt den Namen „Geseke“ durch
ganz Deutschland und ist dabei doch ein Mann des Geseker Volkes geblieben.
Kurz: Erzbischof Marx ist ein berühmter Sohn der Stadt, auf den die
Geseker stolz sind, und gleichzeitig ein Mensch, der sich gerne und aus
Überzeugung zu seinen Wurzeln bekennt.
Am vergangenen Wochenende wurde Erzbischof Reinhard Marx zum Ehrenbürger
ernannt – eine Auszeichnung, mit der man in Geseke sparsam umgeht: Zuletzt
war die Ehrenbürgerschaft vor rund 50 Jahren an zwei inzwischen
verstorbene Geistliche verliehen worden.
Entsprechend feierlich war die Zeremonie, die mit einem Pontifikalamt in
der Heimatkirche des Erzbischofs, der Stiftskirche St. Cyriakus, begann
und im Rahmen einer außergewöhnlichen Ratssitzung mit mehreren hundert
Gästen im Festsaal des Gymnasiums Antonianum fortgesetzt wurde. Hier hatte
Reinhard Marx vor vierzig Jahren als junger Gymnasiast zuletzt gestanden.
Diesmal war die Szenerie eine ganz andere: Von Generalvikar Alfons Hardt
und Monsignore Otto Brauer von der Kommende Dortmund über Pfarrer Werner
Nicolai als Repräsentant der rund 3.000 Geseker Protestanten bis zum
Präsidenten des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks Otto Krentzler
reichte die Reihe der Ehrengäste. Die Liste der Redner war nicht minder
lang und wurde angeführt vom Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker, der
die Laudatio hielt.
In seiner Ansprache zeichnete er das Bild eines Mannes, der zielstrebig
Stufe um Stufe seines Weges nahm, aber auch eines tief gläubigen Menschen.
„Bei allem, was Reinhard Marx macht, fragt man sich: Woher nimmt er die
Kraft?“ fragte Becker, um die Antwort gleich darauf zu geben: „Es ist der
Glaube, der ihn hält, der ihn bewegt. (...) Sie als Geseker dürfen stolz
sein auf die Kultur und die Glaubensheimat, die Sie ihm geschenkt haben.
Und Sie dürfen sicher sein, dass ihn diese Wurzeln in ungeahnter Weise in
seiner Arbeit mittragen, ihm Energie schenken.“
Reinhard Marx selbst nutzte in seiner Ansprache die Gelegenheit, ein wenig
in Erinnerungen zu kramen, dies und das aus seinem Leben zu erzählen, in
gewohnt lockerem Ton über Geseke im Allgemeinen und den Geseker im
Besonderen zu plaudern. Ganz deutlich wurde dabei sein Stolz auf die
Verleihung der Ehrenbürgerschaft: „Jetzt kann ich nicht nur sagen 'Ich
komme aus Geseke', sondern 'Ich bin Bürger von Geseke', egal wo ich lebe“,
sagte Marx. Seine Heimatsstadt sei ihm immer wichtig gewesen; nicht allein
das Geseke seiner Kindheit, sondern auch das Geseke von heute. „Ich freue
mich, Ehrenbürger dieser Stadt zu sein“, bedankte Marx sich für die hohe
Auszeichnung. Wichtig sei aber, dass die Stadt – bei aller
Weiterentwicklung – ihren Charakter behalte, ebenso wie die Menschen,
denen er „Herzlichkeit, Ehrlichkeit und einen trockenen Humor“
bescheinigte.
Dass Reinhard Marx auch aus der räumlichen Distanz heraus das Bild seiner
Heimatstadt stets aktualisiert, Kontakte pflegt und mit der
Zuverlässigkeit einer Kirchenglocke zu den Schützenfesten der Sebastianer
erscheint, davon gaben zahlreiche Geseker in ihren Ansprachen Zeugnis:
Franz Holtgrewe als Bürgermeister, Pastor Uwe Schläger für die Geseker
Geistlichkeit, Dr. Friedel Bergmann für die Schützenbruderschaft St.
Sebastianus und schließlich Heidrun Schnieders, die für die Freunde und
Bekannten von Reinhard Marx das Wort ergriff, hoben die vielschichtige,
enge Verbundenheit zwischen Marx und den Gesekern hervor. „Wir sind froh,
dass du uns vorlebst, dass es eine Aufgabe und eine Ehre sein kann, ein
Geseker zu sein“, bedankte sich Hans-Peter Busch, Vorsitzender des Vereins
für Heimatkunde, im Namen aller Vereine bei Reinhard Marx für dessen
Vorbild.
Neben den Festreden wurde der neue Ehrenbürger auch musikalisch geehrt:
Das Kammerorchester Rüthen unter der Leitung von Friederike Stahl sorgte
für einen würdigen Rahmen. Mit einem Großen Zapfenstreich machte im
Anschluss an die Festansprachen die Schützenbruderschaft St. Sebastianus
mit musikalischer Unterstützung der Stadtkapelle und des Tambourcorps vor
dem Haupteingang des Gymnasiums dem Erzbischof und Ehrenbürger ihre
Aufwartung.
Mit Interesse und Spannung erwarten die Geseker jetzt das nächste große
Ereignis: In wenigen Wochen wird auch die Olympia-Goldmedaillengewinnerin
von 1968 und 72, Ingrid Mickler-Becker, zur Ehrenbürgerin ihrer
Geburtsstadt erhoben.