Ökumene am
Osterfeuer
Nach dem stillen Karsamstag wird es in den Gemeinden am Abend wieder lebendig,
und mancherorts feiern Katholiken und Protestanten gemeinsam
Kreis
Soest 22. März 2008. Größer lässt sich der Kontrast
kaum denken. Am heutigen Karsamstag sind die Kirchen tagsüber ganz leer:
es gibt keine Gottesdienste, kein Glockengeläut, keinen Schmuck. „Die
Kirche“, so heißt es im katholischen Gesangbuch „Gotteslob“, „weilt
betrachtend am Grab Christi. Sie sinnt nach über das Geheimnis seines
Leidens und Sterbens.“ Doch schon am Abend wird es wieder lebendig in den
Gotteshäusern - und dazu besonders festlich. Ostern gilt als das „Fest der
Feste“, weil es die Kernbotschaft des christlichen Glaubens von der
Auferstehung transportiert; der Gottesdienst in der heutigen Osternacht
gilt daher als der bedeutendste des ganzen Jahres, ja als die „Herzmitte
christlicher Festfeier“ überhaupt. Die Osternacht der katholischen Kirche
ist vierfach gegliedert: eine Lichtfeier (in deren Mittelpunkt das
Osterlob steht), einen Wortgottesdienst mit mehreren Lesungen vor allem
aus dem Alten Testament, eine Tauffeier, bei der in manchen Gemeinden
dieses Sakrament sogar gespendet wird, sowie die Eucharistiefeier. Während
die Osternacht in den katholischen Gotteshäusern meist am Abend des
Karsamstages beginnt, kommen in einigen evangelischen Gemeinden die
Gläubigen bewusst sehr früh am Morgen des Ostersonntages zum Gottesdienst
zusammen. Mit dem Sonnenaufgang begrüßen sie den Auferstandenen.
Auf eine Osternacht der besonderen Art freuen sich katholische und
evangelische Christen gemeinsam im Lippstädter Süden. Dabei feiern die
rund 350 Gläubigen der beiden Konfessionen ab 21 Uhr zwar getrennt ihren
Gottesdienst in der katholischen Pius- und evangelischen Johannes-Kirche.
Unmittelbar nach den kirchlichen Feiern kommen jedoch alle zum gemeinsamen
ökumenischen Osterfeuer an der Pius-Kirche zusammen - und bringen dazu
sogar die österlichen Lichter aus ihren Gotteshäusern mit.
„Am Feuer findet dann eine Lichtandacht statt, bei der ein Deutewort
gesprochen und das ein oder andere Lied gesungen wird“, erzählt Pfarrer
Christian Laws. „Anschließend gibt es dann noch für alle einen
ökumenischen Schlusssegen bevor zur Agape-Feier ins Pfarrheim geladen
wird.“
Bewährt habe sich diese Art der Osterfeier seit acht Jahren. „Damals haben
wir klein angefangen“, erinnert sich der katholische Pastor. „Heute ist
die gemeinsame ökumenische Feier eine feste Größe im Lippstädter Süden.“
Dabei lebe die Feier nicht allein vom Anstecken des Feuers. Vielmehr kämen
die Menschen bei der ökumenischen Veranstaltung zusammen, um sich
gegenseitig auszutauschen, miteinander auf Tuchfühlung zu gehen und einen
Dialog des gegenseitigen Verständnisses zu führen. „Das wird auch bei der
anschließenden ungezwungenen Feier im Pfarrheim deutlich“, meint Laws, die
jedes Jahr im Wechsel ausgerichtet wird. „In diesem Jahr sind wir
Katholiken halt mal wieder dran“, so der Pfarrer mit einem Lächeln auf den
Lippen. „Aber das machen wir natürlich gerne.“ Belohnt würde das
Organisationsteam für ihre Mühen ohnehin mit einer „wunderbaren Feier“.
Trotz der besonders festlichen Osternacht-Feiern finden natürlich auch an
beiden Ostertagen Gottesdienste statt. Offenbar völlig aus der Mode
gekommen scheint der so genannte Emmausgang am zweiten Ostertag. Er knüpft
an das Evangelium des Ostermontages an, das davon berichtet, wie der
auferstandene Christus zwei Jüngern auf ihrem Weg von Jerusalem in das
Örtchen Emmaus begegnet. Zunächst erkennen sie den Herrn nicht, doch als
er mit ihnen zu Tische sitzt, gehen ihnen die Augen auf.