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Zeugnisse einer tief verwurzelten Frömmigkeit
„Maria Schuss“ kennt jedes Kind: Doch auch viele andere Heiligenhäuschen in Geseke zeugen von Geschichten über Not und Leid oder Dankbarkeit

Geseke 22. März 2008. VON DOMINIK FRIEDRICH GESEKE Ihr Kopf ist zur Seite geneigt, die Augen sind ganz auf ihr in den Armen liegendes Kind gerichtet. Mit der nach vorne gebeugten Schulter scheint sie das kleine Wesen vor großem Unheil schützen zu wollen. Etwas verborgen an der Völmeder Straße vor der Besitzung Hoffmann steht ein Heiligenhäuschen, dass die Mutter Gottes mit dem Jesuskind zeigt. Der Bildstock ist aus Kalkstein gebaut und gut erhalten. Die Inschrift ist leider kaum zu entziffern. Aufschlüsse über Ursprung und Entstehung lassen sich demnach nicht mehr ziehen. Wer aber ein paar Meter weiter Richtung Verne spaziert, findet vor der Besitzung Linneweber das nächste Zeugnis großer Glaubenskraft und Gottvertrauen. „IN HONOREM DIE ET B. VIRGINIS MARIAE - Zu Ehren Gottes und der seligen Jungfrau Maria“ steht auf der Vorderseite dieses Häuschens (siehe Foto im Text) geschrieben.
„Maria Schuss“ nimmt eine Sonderstellung ein.

Das eingearbeitete Relief zeigt die Herbergssuche der Muttergottes. Wer zu Fuß oder per Rad durch die Geseker Lande zieht, kann schnell auf solche und ähnliche Darstellungen und Inschriften stoßen. „Immerhin gibt es in der Kernstadt und der Geseker Gemarkung noch über 25 Heiligenhäuschen“, berichtet Heinrich Gabriel, Ehrenmitglied des Vereins für Heimatkunde.
Der 78-Jährige muss es wissen. Schließlich hat er sich bereits Ende der siebziger Jahre mit einer Gruppe von Firmlingen auf die Suche nach Bildstöcken begeben, die von der tief verwurzelten Frömmigkeit der Menschen in der Region zeugen. Nach ihrer geschichtlichen Bedeutung teilt Gabriel die Bildstöcke in vier Gruppen ein. „Da sind die sieben Heiligenhäuschen an der Maria-Hilf-Kapelle, die Heiligenhäuschen der Bauernschaften und die am alten Prozessionsweg nach Verne“, erklärt Gabriel. „Aber dann gibt es auch Häuschen in und außerhalb der Stadt, die aus verschiedenen Anlässen errichtet wurden“, führt er fort.
Eine Sonderstellung nimmt dabei natürlich die allseits bekannte „Maria Schuss“ ein. Der hessische Soldat Ludwig Sadeler von Treysa legte am 29. Oktober 1633 im Übermut das Gewehr auf das 1616 errichtete Heiligenhäuschen am Hellweg (Ecke Rosenstraße), um der heute „verwundet“ in der Stiftskirche stehenden Statue der schmerzhaften Mutter in den linken Oberarm zu schießen.
Längst nicht so bekannt, aber bestimmt nicht weniger denkwürdig ist auch die Geschichte, die Heimatforscher Friedhelm Budde über den Bildstock an der Besitzung Linneweber zu berichten weiß. Seine Ur-Ur-Ur-Urgroßmutter Anna Maria Budde begab sich am 23. Oktober 1763 hochschwanger zu Fuß auf eine Wallfahrt. Der Weg sollte sie zur verehrten Gottesmutter in der Verner Wallfahrtskirche führen. Nach einer halben Stunde Fußmarsch erlitt die Pilgerin jedoch eine Notgeburt und bekam einen Sohn mit dem Namen Johannes Conradus. Vier Wochen später verstarb Anna Maria Budde. „Als Erinnerung an das Ereignis wurde an dieser Stelle ein Heiligenhäuschen errichtet. Und den Spruch, der auf der Rückseite zu lesen ist, kennt Friedhelm Budde auswendig: „Auf meiner letzten Wallfahrt auf Erden, auf einsamen Pfad, traf mich hier die große Not und Angst, in der ich gelobe, Gott und der Jungfrau zu ehren und hier ein Heiligenhäuschen entstehen zu lassen. Da bald der Tod mich holte ein, hat der geliebte Bruder mein Gelöbnis erfüllt.“
Wie der Bildstock der Anna Maria Budde sind auch alle anderen Geseker Heiligenhäuschen Ausdruck von Lob-, Bitt- und Dankgebeten früherer Generationen. Hier und da geben sie aber auch Aufschluss über die Siedlungsgeschichte. „Geseke war ursprünglich dorfweise besiedelt. Die Bewohner dieser ungeschützten Dörfer mussten ihre Heimat verlassen, um hinter den Mauern der Stadt Sicherheit vor dem Feind zu finden und die Wehrfähigkeit der in ihr lebenden Bevölkerung zu stärken“, erinnert Gabriel an die Befestigung Gesekes im Jahr 1217.

Erinnerungen an die untergegangenen Dörfer

Übrig geblieben sind Heiligenhäuschen, etwa an der Hüsteder Linde (Delbrücker Straße), an der Heringer Linde (Bönninghauser Straße), unter der Drei-Dörren-Linde am Tudorfer Weg (Völmeder Bauerschaft) oder am Viehtor (Stockheimer Bauerschaft) und am Steintor (Hölter Bauerschaft), die noch heute von den untergegangenen Dörfern zeugen.
Doch nicht alle Heiligenhäuschen im Stadtgebiet haben im Laufe der Jahrhunderte ihren Standort halten können. Der moderne Straßenverkehr machte es erforderlich, dass mit dem Bau der Umgehungsstraße die Maria-Hilf-Kapelle an den Kapellenweg versetzt werden musste. Mit ihr wanderten auch die Bildstöcke, die sich der glorreichen Seite des Marienlebens widmen. Das siebte, mittlerweile ersetzte Heiligenhäuschen ist dabei verschwunden. „Jetzt sollen Teile davon wieder aufgetaucht sein. Sie liegen angeblich beim Bildhauer Koch“, verrät Gabriel mit einem Augenzwinkern.

Quelle: Geseker Zeitung

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