Geseke,
27. Dezember 2008. „Erzbischof Reinhard Marx ist ein
hoffnungsvoller Mensch. Er strahlt Zuversicht aus, die sich aus der
Botschaft des Evangeliums nährt.“ In seiner Laudatio würdigte Erzbischof
Hans-Josef Becker den früheren Weihbischof in Paderborn und jetzigen
Erzbischof von München und Freising, Prof. Dr. Reinhard Marx. Ihm verlieh
am Samstag der Rat der Stadt Geseke in einer Sondersitzung die
Ehrenbürgerschaft seiner Heimatstadt. Erzbischof Becker und Erzbischof Dr.
Marx feierten vor dem Festakt in der voll besetzten Aula des Gymnasiums
Antonianum in der Stiftskirche St. Cyriakus in Geseke ein Pontifikalamt.
Erzbischof Marx lebe seinen Glauben aus einer klaren Beziehung zum
gekreuzigten und auferstandenen Herrn Jesus Christus, sagte Erzbischof
Becker. Dieser Glaube schenke dem Münchner Erzbischof festen Halt, Kraft
für die Arbeit im Alltag und Liebe für die Begegnung mit Menschen. „Es ist
dieser Glaube, der ihn fasziniert und herausfordert: Gottes Geschichte mit
dem Menschen, das Ringen um Freiheit und Gerechtigkeit in der Welt. Es ist
dieser Glaube, der ihn zieht, weit über sich hinaus, über seine Heimat,
seine Denkmuster, ihn in die Weite führt, neugierig werden lässt gegenüber
Neuem und Fremden, ihn fragen und suchen lässt.“ Der aus dem Erzbistum
Paderborn stammende Münchner Erzbischof werde von seinem Glauben bewegt,
so Erzbischof Becker.
Der Dienst am Evangelium führe den Oberhirten der Erzdiözese München und
Freising zu den Menschen, so Erzbischof Becker weiter. Er begegne den
Menschen offen und ehrlich, einfach in der Formulierung und ohne Allüren.
„Er bleibt Mensch, mit Ecken und Kanten, die er selbst sieht und die ihn
herausfordern. Auch das gehört zu diesem Glauben dazu: lernen, umkehren,
neu anfangen.“
Sein Einsatz für die Katholische Soziallehre sei praktischer Ausdruck
seines Glaubens und des Menschenbildes, das der christliche Glaube
vermittle, erläuterte Erzbischof Becker. Erzbischof Marx bringe die
Prinzipien der Katholischen Soziallehre in den gesellschaftlichen Diskurs
ein und stelle den Menschen in den Mittelpunkt seiner Überlegungen. „Er
verweist auf die Unterscheidung zwischen Marktwirtschaft und Kapitalismus,
plädiert für die Stärkung der Familien. Er ruft nach Zügeln, die der Markt
braucht, nach Moral, ohne die jeder Staat verkommt.“
„Heimat ist für Reinhard Marx Geseke, Westfalen. Er liebt die offene,
gerade und direkte Art der Menschen“, so der Paderborner Erzbischof. Dabei
sei er jedoch auch jemand, der Heimat schaffen könne: „Heimat ist dort, wo
man lebt, Menschen offen begegnet, sie annimmt und angenommen wird“, so
zitierte Erzbischof Becker den neuen Ehrenbürger seiner Heimatstadt
Geseke. Er gewinne schnell Heimat, ohne seine westfälischen Wurzeln zu
vergessen. „Möge der Herr Dir Kraft und Gesundheit schenken für viele
Jahre fruchtbarer Arbeit in seinem Weinberg“, sagte Erzbischof Becker zum
Abschluss seiner Laudatio.
Schon als Kind habe er entdeckt, dass Geseke auf der Welt einmalig sei,
sagte Erzbischof Dr. Marx in seiner Dankrede. Geseke sei für ihn
Heimatstadt, auf die er stolz sei. Er freue sich über die ihm erteilte
Würde, denn als neuer Ehrenbürger von Geseke könne er eindeutig sagen:
„Ich bin Geseker, ich bin jetzt Bürger von Geseke, egal wo ich wohne und
lebe“.
In seiner Predigt in der voll besetzten Stiftskirche St. Cyriakus forderte
Erzbischof Dr. Marx dazu auf, sich für ein Gemeinwesen einzusetzen, das
Gerechtigkeit für alle Menschen bedeute. Weihnachten sei eine Einladung,
wach zu werden und das Leben zu entdecken. Gott sei in Jesus berührbar
geworden, sagte der Münchner Erzbischof. Weihnachten verkünde einen Gott,
der sich in die Welt einmische, sich in die Welt hinein begebe und der
unter den Menschen gegenwärtig sein wolle. „Das ist eine Revolution, die
über alle bisherigen Revolutionen hinausgeht.“ Weihnachten proklamiere:
„Gott ist nichts wichtiger als der Mensch“, so Erzbischof Dr. Marx.
Deshalb sei es nicht gleichgültig, wie Menschen miteinander lebten und
miteinander umgingen. Weihnachten sei ein Impuls, das Gemeinwesen und die
Gesellschaft wieder ins rechte Licht zu rücken und auf den Menschen zu
beziehen. „Gott wird Mensch, und das zeigt, dass nichts wichtiger ist als
der Mensch. Jedes menschliche Leben ist kostbar, von der Geburt bis zum
Lebensende.“ Im Blick auf die an das Pontifikalamt anschließende
Verleihung der Ehrenbürgerrechte der Stadt Geseke sagte Erzbischof Dr.
Marx zum Abschluss seiner Predigt: „Möge der Glaube in uns lebendig
bleiben und möge der dreifaltige Gott meine geliebte Heimatstadt segnen“.
Der Bürgermeister der Stadt Geseke, Franz Holtgrewe, sagte über Erzbischof
Dr. Marx: „Reinhard Marx ist ein echter Geseker. Er wuchs nicht nur hier
auf, sondern engagierte sich in der Kirchengemeinde, in der Schule und in
den Vereinen von Geseke“. Marx sei zu einem „herausragenden Vertreter“ der
Katholischen Kirche und ihrer Soziallehre geworden und habe den Bezug zu
seiner Heimatstadt Geseke immer gepflegt. „Er ist bei allem ein echter
Geseker geblieben.“