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Der „schwarze“ Marx
Als der Erzbischof vor zwei Jahren die Idee zum Buchprojekt „Das Kapital“ hatte, konnte keiner ahnen, dass die Weltwirtschaft in eine globale Krise stürzt

Geseke/München, 30. Oktober 2008. Manager und Vorstände der Dax-Betriebe und Großbanken sollten „Das Kapital“ als Bettlektüre auf ihren Nachtschränkchen haben. Nicht die Fassung von Karl Marx, der 1867 den ersten Band seiner fundamentalen Kapitalismuskritik veröffentlicht hatte. Sondern das gestern in München offiziell vorgestellte Buch seines Namensvetters Reinhard Marx, in dem der Erzbischof zu einer gesellschaftlichen Grundsatzdebatte angesichts der Finanzmarktkrise aufruft, den Turbokapitalismus verteufelt und eine globale soziale Marktwirtschaft fordert. Der Gottesmann aus Geseke liefert weder in seinem Buch noch bei seinen Statements donnernde Gardinenpredigten gegen einen Monsterkapitalismus. Er setzt sich differenziert mit den marxschen Thesen und dem ungezügelten Kapitalismus auseinander - und setzt ihnen als Alternative die soziale Marktwirtschaft entgegen. Doch der 55-jährige Sozialethiker weist mit scharfen Worten gierige Manager und Wirtschaftsbosse in die Schranken, die aus reiner Profitgier alle moralischen Bedenken über Bord werfen. Und wenn solches Verhalten dann noch als Ausdruck von Freiheit missverstanden wird, dann müssen nach Überzeugung von Erzbischof Marx die Christen aufstehen: „Das geht so nicht. Wir lassen nicht zu, dass die Sünde gelobt wird. Und wir lassen auch nicht zu, dass der Sünde die Maske der Freiheit aufgesetzt wird.“
Der „schwarze“ Marx will dem Kapitalismus Grenzen setzen, ihn nicht abschaffen, wie sein Namensvetter es vor 150 Jahren wollte. Die Menschenwürde und das Gemeinwohl markierten die Grenzen der Freiheit. Es reiche auch nicht, sich nur nach den Grenzen der Paragrafen zu richten: „Wenn wir nur das tun, wofür wir gesetzlich verpflichtet sind, sind wir moralisch vernichtet.“ Fast 20 Jahre nach dem Zusammenbruch des Kommunismus befürchtet der Erzbischof, dass der Marxismus wegen eines ungebremsten Kapitalismus wieder Boden gewinnt. „Die Wende von 1989 beinhaltet nicht nur die Krise des Marxismus, sondern auch den Auftrag, nun in einer globalen sozialen Marktwirtschaft die bessere Alternative zur Überwindung von Ungerechtigkeit und Armut zu erarbeiten. Sonst werden die falschen Ideen von Karl Marx erneut Zulauf bekommen. Und das wäre verheerend.“ Wobei der Erzbischof seinen Namensvetter nicht rundweg abkanzelt: Viele Anliegen von Karl Marx seien berechtigt, doch die Folgen seines Denkens seien fatal. „Ich zeuge ihm Respekt, er ist ein großer Gegner und wir müssen ihn ernst nehmen. Aber wir müssen uns davor bewahren, dass dieser Irrweg wieder beschritten wird.“ Die Frage des 21. Jahrhunderts lautet für Reinhard Marx, ob wir es schaffen werden, das Weltgemeinwohl zu bedenken.
Dazu müssten die Wirtschaftsführer das „Kapital“ des „schwarzen“ Marx nicht nur neben dem Bett liegen haben, sondern auch darin lesen. Doch das würde manchem den Schlaf rauben. Massenentlassungen oder übertriebene Managergehälter wären dann verpönt. Denn niemand verstehe es, „wenn jemand heute einen zweistelligen Millionenbetrag einstreicht und morgen die Parole ausgibt, dass alle den Gürtel enger schnallen müssen“. Marx lässt grüßen - Reinhard Marx.

Quelle: Geseker Zeitung

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