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Erzbischof möchte in München endgültig vor Anker gehen
Der gebürtige Geseker Reinhard Marx spricht im Interview über seine Zukunft in Bayern. Seiner Heimatstadt möchte er treu bleiben, sein neues Amt betrachtet er als Lebensaufgabe.

Geseke, 15. Dezember 2007. Fröhlich, durchsetzungsstark, konservativ, eloquent und diskussionsfreudig: So wird der zukünftige Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, in diesen Tagen quer durch die Medienlandschaft beschrieben. Der gebürtige Geseker selbst gibt sich allerdings momentan eher bedeckt. Für öffentliche Stellungnahmen wollte er sich nach Angaben der Pressestelle des Trierer Bistums eigentlich vor Weihnachten gar nicht mehr zur Verfügung stellen. Für unsere Zeitung macht der Gottesmann jedoch eine Ausnahme. Im Exklusiv-Interview blickt er zurück auf die vergangenen Wochen und spricht über seine Pläne sowie seine Verbundenheit zur Heimat.

Sehr geehrter Herr Bischof, herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Ernennung zum Erzbischof von München und Freising auch aus Ihrer Heimat. Wo und wann haben Sie denn von der Ernennung erfahren?

Marx: Am Abend des 13. Novembers hat mich die Apostolische Nuntiatur angerufen und mir mitgeteilt, dass der Papst mich zum Erzbischof ernannt hat und um meine mündliche Zustimmung gebeten, die ich dann später schriftlich nachreichen sollte. Das habe ich dann auch getan, so dass meine Sekretärin nichts davon mitbekommen hat.

Wen haben Sie zuerst davon unterrichtet?

Marx: Niemanden, denn die Mitteilung stand unter dem so genannten Päpstlichen Geheimnis. Ich hätte auch Mitarbeiter oder Freunde mit einer solchen Nachricht nur belastet, denn die Veröffentlichung war ja erst für den 30. November vorgesehen. Ich war mit dieser Nachricht also über 14 Tage ziemlich allein. Das war nicht ganz einfach, denn die normale Arbeit im Bistum Trier und auch die Planungen für das Jahr 2008 liefen ja weiter.

Die Ereignisse haben sich seit Bekanntwerden der Ernennung überschlagen. Hatten Sie überhaupt Zeit, in Ruhe über ihr zukünftiges Amt nachzudenken?

Marx: Ruhe und Zeit habe ich im Augenblick wirklich nicht sehr viel. Ich werde mich erst im neuen Jahr zurückziehen und mich auch intensiv geistlich vorbereiten. Ich habe als Bischof von Trier natürlich auch eine gewisse Erfahrung in der Leitung eines Bistums, aber München und Freising ist noch einmal eine besondere Herausforderung, das spüre ich schon.

Hatten Sie schon Kontakt zur Familie und zu ihren Freunden in Geseke?

Marx: Ohne das päpstliche Geheimnis zu verletzen, habe ich vor dem 30. November meine Geschwister vorbereitet, dass in der kommenden Woche etwas über mich in der Zeitung stehen könnte. Danach habe ich natürlich kurz mit meinem Bruder und meiner Schwester telefoniert.

Kommen Sie vor der Amtseinführung noch einmal in ihre Heimatstadt?

Marx: Ich habe vor, nach Weihnachten einen kurzen Besuch zu Hause zu machen, auch um noch einmal an das Grab meiner Eltern zu gehen. Meine Mutter ist ja am 9. Oktober dieses Jahres gestorben. Ich vermute, dass es von München aus noch schwieriger sein wird als von Trier, öfter nach Geseke zu kommen.

Wie sieht es mit dem obligatorischen Besuch beim Schützenfest der St. Sebastianer im Juli aus?

Marx: Daran möchte ich, wenn eben möglich, festhalten. Für mich ist das eine wunderbare Gelegenheit, den Kontakt zu meiner Heimatstadt zu halten. Früher habe ich gelegentlich gesagt: Andere fahren zur Kur, ich fahre nach Hause zum Schützenfest zur Erholung.

Nun zu ihrer neuen Wirkungsstätte: Experten bezeichnen München-Freising als attraktivstes Bistum in Deutschland. Feste kirchliche Strukturen, kaum Spaltungen und Spannungen. Was erwarten Sie persönlich? Was möchten Sie ändern - als Westfale in Bayern?

Marx: Ob es das attraktivste Bistum Deutschlands ist, weiß ich noch nicht. Ich vermute aber, dass es ähnliche Herausforderungen gibt wie in allen anderen Bistümern. So katholisch festgefügt wie es scheint, ist es auch im Erzbistum München und Freising nicht mehr. Ich habe nachgelesen, dass ungefähr 52 Prozent der Bevölkerung katholisch sind, und natürlich ist die Herausforderung einer Großstadt wie München nicht zu unterschätzen. Ein Bischof sollte auch nicht in ein Bistum kommen mit einem festen Programm, sondern zunächst Land und Leute kennen lernen, um dann gemeinsam zu überlegen, welche neuen Akzente gesetzt werden können. Wichtigste Aufgabe eines Bischofs ist, das Evangelium zu verkünden und Zeuge der Botschaft Jesu Christi zu sein.

Geographisch gesehen liegt das Erzbistum am nächsten zu Rom. Haben Sie weiterführende Ambitionen?

Marx: Wenn ich auf die letzten Jahrzehnte zurückschaue, hatte ich eigentlich keine besonderen Ambitionen oder Lebenspläne. Dass ich nach zwei Jahren Vikarsdienst in Bad Arolsen nach Dortmund geschickt wurde in das Sozialinstitut Kommende, kam für mich sehr unerwartet. Die Aufgabe im Bistum Trier kam ebenfalls für mich eher überraschend und erst recht ist das jetzt mit der Berufung zum Erzbischof so. Ich habe jetzt doch den Wunsch, dass ich endgültig vor Anker gehen kann, denn Erzbischof von München und Freising zu sein, ist eine Lebensaufgabe.

Eine persönliche Frage zum Abschluss: In Trier sind Sie umgeben von Weingütern. Die tauschen Sie nun gegen die bayerischen Biergärten ein. Wie groß ist die Vorfreude auf eine zünftige Maß?

Marx: Ich kann mich sowohl mit einem guten Glas Wein als auch mit einer Maß Bier anfreunden, insofern werde ich wohl keinen "Kulturschock" erleben. Also: Bei allem Abschiedsschmerz - denn in Trier hatte ich mich sehr gut eingelebt - freue ich mich auch auf die neue Aufgabe, auf München und auf Bayern.

Quelle: Geseker Zeitung

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