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Kammerkonzert ganz im Stil der „alten Schule“
Carola Göbel und Gudrun Tollwerth-Chudaska überzeugten mit ihren Solostimmen das Publikum in der Stiftskirche St. Cyriakus

Dr. Andreas Kleine, Carola Göbel und Gudrun Tollwerth-Chudaska (v. r.) mit dem Kammerorchester boten Musik ganz im Stil der „Alten Schule“. Foto GwozdzGeseke, 05. April 2007. Die Stiftskirche St. Cyriakus erglühte jetzt in einem italienisch-sakralen Musikgewand von Domenico Cimarosa und Giovanni Battista Pergolesi. Unter der Leitung von Dr. Andreas Kleine, der am Continuo (Generalbass) als Orgelersatz, der das harmonische Gerüst in der Barockmusik ausmacht, seine große Fingerfertigkeit in den Dienst der Kirchenmusik aus Italien stellte, entstand ein Kammerkonzert ganz im Stil der „alten Schule“.

Komposition für das Totengedenken

Eingeleitet wurde das kleine musikalische Festspiel durch das Requiem von Cimarosa, eine kirchenmusikalische Komposition für das Totengedenken. Das Stück für Solostimmen brachte das alte Kirchengemäuer in einem harmonischen Zweiklang zum „Schmelzen.“
Die Altistin Carola Göbel läutete mit ihrem Solopart das Requiem ein und verblüffte ihre Zuhörer mit einer wiedererkennbaren Altfärbung in den Tiefen und prägnanten Facetten in der Mittellage. Zart umhauchte tonale Sprünge mit einwandfreiem Wechsel in den Übergängen erfassten das Publikum mit ergreifenden Tiefen. Bis ein heller Lichtstrahl diese Tiefen durchbrochen hat.
Die Sopranistin Gudrun Tollwerth-Chudaska, die bereits im Weihnachtskonzert in der Stadtkirche St. Petri als Solistin gastierte und das Geseker Publikum für sich gewinnen konnte, überzeugte mit einer kristallklaren Stimmfärbung durchdringend wie Eis. Mit einer tadellosen Stimmführung visierte sie die Töne im Kirchenraum an und verfolgte sie unerbittlich, bis sie ihre vollkommenste Schwingung erreicht hatten.
Die Aufschwünge in den Höhen ließen auf eine professionelle Körperbeherrschung und eine feste Stütze schließen, die es erlaubte, eine derartige volle Tonfärbung frei zu gestalten.
Dramatische Höhepunkte, die in einem fortissimo Echo zurückhallten, und melancholische Pianissimos in mystisch-verheißender Manier interpretiert, sind die Markenzeichen dieser Sopranstimme, die der Künstlerin auf musikalischen Reisen im In- und Ausland den Rang einer Rarität im Sopranistinnen Umfeld einbrachte. So verbanden sich Alt und Sopran in einem zärtlichen Reigen der Stimmgewalten und entblößten die delikat-sakrale und lyrische Musik, sodass sie in einem gläsernen Palast zu vibrieren schien.
Eine besondere gesangliche Herausforderung stellte das „Stabat Mater“ von Pergolesi dar. Bestehend aus zwölf Sätzen in f-Moll mit Tonartwechseln in jedem Satz gleicht dieses Stück einem musikalischen Dauerlauf, welches Sängern oft Atmungs- und Intonationsprobleme bereitet.

Schwierigkeiten mit Bravour gemeistert

Doch die beiden Solostimmen meisterten diese Schwierigkeit mit Bravour. Während der Sopran es als Wonnegefühl auffasste sich in diesen tonalen Verschiebungen zu baden und überdies die künstlerische Interpretation des Textes der italienischen Kirchenmusik getreu wiedergab, fühlte sich auch der Alt in seinen Solopartien sichtlich wohl und überzeugte durch gut einstudierte Läufe, wenn es auch insgesamt an der freien künstlerischen Gestaltung etwas mangelte.
Eine gut gefüllte Stiftskirche und der lang anhaltende Applausregen der Zuhörer zeugte von einer kulturellen Begeisterung für derartige musikalische Inszenierungen und unterstrich die Eigeninitiative der Musiker, die mit ihrer Liebe zum Musizieren die klassischen Kunstliebhaber in Geseke begeistern.

Quelle: Geseker Zeitung

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