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Ehemalige Stiftskurie wurde Denkmal des Monats
Spätklassizistischer Fachwerkbau befand sich früher im Besitz des adeligen Fräuleins von Hörde. Erinnerung an eine fast vergessene Lebensform

Besonders schön ist die Ansicht vom Garten aus auf das alte Fachwerkhaus, das heute mit Metallplatten verkleidet ist. Mit dazu gehört ein Anbau im Jugendstil.GESEKE. Im Zentrum von Geseke liegt zu Füßen der Stiftskirche St. Cyriakus in einem weitläufigen Gartenareal ein einstöckiges Wohnhaus aus dem 18. Jahrhundert. Der heute ganz verkleidete Fachwerkbau in spätklassizistischer Gestalt befand sich einstmals im Besitz des adeligen Fräuleins von Hörde und danach des Fräuleins Ferdinanda von Haxthausen. Mit der Wahl dieser ehemaligen Stiftskurie zum Denkmal des Monats Juli soll an eine heute fast vergessene Lebensform erinnert werden.

Etwa 500 unverheiratete, zumeist adelige Frauen lebten früher in den 31 evangelischen und katholischen Damenstiften des heutigen Westfalen-Lippe. Einige dieser Stifte waren schon vor dem Jahrtausend als Kanonissenstifte gegründet worden, die meisten jedoch erst nach der Reformation aus der Umwandlung ehemaliger Klöster entstanden.

Anders als die Nonnen im Kloster legten die Damen im Stift nicht die Gelübde der Keuschheit und der Armut ab. Sie konnten deshalb das Stift, z. B. für eine Heirat, auch wieder verlassen und sie konnten auf dem Stiftsgelände auch eigene Häuser besitzen, erläutert Annegret Herden-Hubertus vom Westfälischen Amt für Denkmalpflege in Münster. Zumeist wohnte neben der Besitzerin mit Magd und Zofe eine weitere Dame zur Miete.

Jeder Stiftsdame standen die Einkünfte einer sogenannten Präbende zu. Da diese ursprünglich aus einem Anteil der Erträge des Stiftes in Form von Naturalien bestand und erst später ganz in Geldeinkünfte umgewandelt wurde, verfügten die älteren Kurien noch über eine landwirtschaftlich nutzbare Deele.

In dem 946 gegründeten Damenstift zu Geseke waren 25 solcher Präbenden zu vergeben. Innerhalb des von einem Bachlauf abgegrenzten Stiftsgeländes standen neben der Abtei, der erhaltenen Schule und zahlreichen schon lange verschwundenen Nebengebäuden einst acht Kuriengebäude, von denen vier erhalten sind.

Besonders beeindruckend ist bis heute die als reines Wohnhaus errichtete Kurie des Fräuleins von Hörde durch ihren authentischen Überlieferungszustand des frühen 19. Jahrhunderts.

LWL-Denkmalschützerin Herden-Hubertus ist begeistert und erwartet, dass diese Details auch bei zukünftigen Umnutzungen erhalten bleiben: "Das Innere dieser Kurie ist ein wichtiges Dokument für die Lebensweise der Stiftsdamen". Mit der Säkularisation seit dem Jahr 1803 neigte sich die stiftische Lebensform dem Ende entgegen.

In Geseke allerdings zog sich die Auflösung nach einem langen Rechtsstreit zwischen dem Stift und dem preußischen Staat bis 1872 hin. Von den Stiftsdamen waren zu diesem Zeitpunkt nur noch drei am Leben. Die Kurie der Fräulein von Hörde war schon einige Jahrzehnte zuvor an eine Geseker Bürgersfamilie verkauft worden.

Zum Denkmal des Monats wurde das Haus Auf dem Stifte 10, eine ehemalige Stiftskurie, vom Landschaftsverband Westfalen ernannt.Fotos: Tommke

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